Der Wert von digitalem Content

Der Wert von digitalem Content

Stefan Huber

Stefan Huber is Head of Content Management. He leads a team of content managers, advises clients, dedicates himself to product development and gains new creative input while climbing in- and outdoor.

Digitaler Content – sei es in Text- oder Audioform – ist einer der am meisten konsumierten Güter im Internet. Wikipedia ist ein gigantisches Lexikon, das von Content lebt. Spotify lebt von Content. Jede Newsseite lebt von Content. Ein Problem, das nicht nur Wikipedia sondern die gesamte Branche hat, ist aber folgendes: Anbieter und Nutzer von digitalem Content haben bisher keine Parameter dafür gefunden, wie der Wert des Contents bemessen werden kann.

Einnahmequelle Werbung

Bis vor wenigen Jahren wurde Online Werbung von vielen Plattformen als die einzige große Einnahmequelle betrachtet, welche jedoch Nutzer bald als störend empfanden. Unter Werbung leiden nicht nur Ladezeiten und User Experience, es werden auch eine Menge Cookies gesetzt, welche die User tracken. Heute sind User immer weniger bereit, ihre Privatsphäre und Daten für Content preiszugeben, der sich im Nachhinein nicht immer als das entpuppt, den sie erwartet hatten. Auch Whistleblower Edward Snowden hat wohl dazu beigetragen, dass bei Usern ein Umdenken stattgefunden hat.

Tracking

Ein Cookie ist schnell gesetzt und schon werden Daten gesammelt und an einen Server gesendet. Sofern Seiten ein Konto beinhalten, ist es kein großer Aufwand, diese gesammelten Daten diesem Nutzer auch zuzuordnen. Mithilfe von entsprechenden Cookies lassen sich Informationen wie Geschlecht, ungefähres Alter, Interessensgebiete (anhand besuchter Webseiten) und vieles mehr auswerten. Verwenden User Browser Extensions wie beispielsweise Ghostery, wird ihnen ganz schnell vor Augen geführt, wie viele Trackings auf Webseiten eingebaut sind. Probieren Sie es einfach einmal selbst und besuchen Sie die HuffingtonPost Deutschland mit 27 aktivierten Trackers. Um es einmal anders auszudrücken: 27 Detektive, die uns verfolgen. „Gold wert!” sind diese Daten, heißt es immer…

Auch auf der Seite, die Sie in diesem Moment besuchen, werden Cookies gesetzt, nämlich Google Analytics. Das führt im Wesentlichen dazu, dass wir wissen, wie oft Beiträge gelesen wurden und woher der Nutzer gekommen ist.

Und dann kam der AdBlocker

Als Reaktion auf die Online Werbung ist die Verwendung von AdBlockern im Jahr 2015 weltweit um 41 Prozent gestiegen. AdBlock Plus gibt an, mehr als 300 Millionen Downloads erreicht zu haben. In Österreich reden wir von rund 25 Prozent AdBlocker Rate auf Nachrichten Portalen. Auf technikaffinen Seiten sind es sogar noch deutlich mehr. Und einmal ganz ehrlich: Wer verwendet heute keinen Adblocker?

Alternativen sind gefragt

Sie sehen schon: Durch die steigende Nutzung von AdBlockern wurden viele Webseiten gezwungen, sich Alternativen zu überlegen. Native Advertising, Branded Content, Mobile InVideo, etc. aber auch Paywalls und ähnliche Möglichkeiten sind massiv im Wachsen inbegriffen. DisplayAd Positionen werden bewusst reduziert, um den wahren Wert wieder in den Vordergrund zu stellen: Den Content.

Wer soll die Content-Produktion bezahlen?

Im World Wide Web gibt es für Content Provider aber nicht viele Möglichkeiten, Umsatz zu generieren. Entweder die Nutzer bezahlen für Content, oder sie akzeptieren Werbung.

Die Tendenz, für Content zu bezahlen, steigt grundsätzlich. Paywall Anbieter wie etwa Blendle zeigen, dass die Bereitschaft dazu da ist. Dennoch befindet sich dieser Vorgang noch im Anfangsstadium. Online Werbung hingegen wird derzeit von den Usern abgestraft. Das zeigt der Anstieg von AdBlock-Nutzern ganz deutlich. Zu viele Einbußen müssen Nutzer in Kauf nehmen, um Seiten zu besuchen. Es macht auch wirklich keinen Spaß, den 20. Banner, der penetrant auf einer Seite aufpoppt, weg zu klicken.

Transparenz und Qualität

Webseiten informieren ihre User daher inzwischen mehr und versuchen, den Wert von Content bewusster mit ihnen zu diskutieren und ihn transparenter zu machen. Um Nutzer nicht zu verstören, wird Werbung mittlerweile außerdem gezielter und sinnhafter in die Seiten integriert.

Die Wertigkeit von digitalem Content wird sich verändern, soviel ist klar. Die Musikindustrie hat sich im Laufe der letzten zehn bis 15 Jahre langsam aber stetig von CD-Verkäufen hin zu Abos entwickelt – Spotify lässt grüßen. Wir werden sehen, wie lange es noch dauern wird, bis sich Paywall Anbieter auch hierzulande verbreiten – und/oder sich die Integration von Werbung verändert.